THE SELF IS A ROOM, ‬I.-X.

Das Ich ist ein Raum. Es findet sich darin Gleichzeitiges und Ungleichzeitiges, individuelles und gesellschaftliches, aufgeräumtes, archiviertes, unsortiertes und verdrängtes. Nur eins findet sich nicht, was vielleicht als erstes ins Auge fällt: Leere.

So viel Individualität gab es noch nie, mögen die Bewahrer der Verhältnisse feststellen. Aber die Selbstverwirklichung hat sich längst zum ideologischen Diktat des „Pursuit of happiness“ gewandelt, unter dessen Last der Einzelne zerbricht. Der Raum wird zur Monade, das Leben zur Einzelhaft. Abbruchreif wankt das Ich zur Therapie. Veränderungen sind mehr als neue Tapeten an der Wand.

Der individuell psychologische Prozess spiegelt sich auch als gesellschaftlicher wider. Im historischen Raum haben die modernen Kollektivideen ihre Bindungs- und Gestaltungskraft verloren. Das Individuum reagiert zum Teil erschreckt. Die Sehnsüchte und Wünsche nach Geborgenheit im Gemeinsamen spülen überholte religiöse Bekenntnisse an die Oberfläche. Die Aufklärung, die mit der Entzauberung der Welt einen rationalen Raum begründen wollte, schlägt in ihr Gegenteil um. Die Suche des Einzelnen hin zum Geborgensein im Kollektiv ist blind. Das Licht der Erkenntnis verdunkelt sich.

 

 

Alles ist, was nicht ist? Irgendwo öffnen sich Türen und Blicke. Die vertrauten Räume sind in Gewahrsam, ganz weit draußen schimmert das Blau.

 

The self is a room. It contains the concurrent as well as the non-concurrent, the individual and the social, the orderly, the archived, the unsorted, and the repressed. The only thing it does not contain—and which first strikes the eye—is emptiness.

Never has there been so much individuality, as the preserver of the circumstances may observe. But self-realisation has long ago turned into dictates of “Pursuit of happiness“, under the load of which the individual shatters. The room becomes a monad and life a solitary confinement. Dilapidated, the self sways to therapy. Changes mean more than new tapestry on the wall.

The individual psychological process also reflects itself in social interaction. In the historical room, modern collective ideas have lost their bonding effect and creativity. The individual becomes somewhat petrified. Yearnings and desires for communal safety and caring bring outdated religious avowals to the surface. The enlightenment, which was out to found a rational space together with the world‘s disenchantment, turns just into its opposite. The individual is blind in her quest for the comfort of the group. The light of cognition begins to darken.

All is that isn‘t? Somewhere doors and views open. The rooms so familiar are under custody; the distance glistens in shades of blue.